Berlin hat ein neues Museum: Fotografiska im ehemaligen Tacheles

Der Berliner Herbst und die Art Week 2023 sind der Anlass: Das ehemalige Tacheles, diese aufwändig umgebaute einstige Kaufhaus-Kriegs-Ruine an der Oranienburger Straße, ist nunmehr Dependance des Stockholmer Fotografiska.

Ab 1990 war der verfallene Ort anarchisch anmutender, basisdemokratischer Kunst-, Veranstaltungs- und Atelierraum. Jetzt residiert in dem von den Architekten Herzog de Meuron umgebauten historischen Ensemble „für Wohnen, Arbeiten und Einkaufen auf höchstem Niveau“ ein neues Museum für Kunst und Kultur. Vor allem für Fotografie. Die Ironie des Schicksals wollte, dass genau gegenüber, im einstigen Postfuhramt, die weltbekannte Foto-Instanz C/O nicht bleiben konnte, sondern 2013 ausziehen musste und später ins Amerika-Haus am Bahnhof Zoo zog. Nun ist in der Straße wieder ein Fotografie-Zentrum etabliert. Noch eins also.

 Zu dessen Konzept gehören nicht nur Ausstellungen. Fünf Etagen plus Dachterrasse dienen fortan als Podium des Austauschs über Kunst, vor allem Fotografie – und dazu gibt es nachhaltig ausgerichtete Gastronomie, so wie das auch in Stockholm der Fall ist. Was ist zur Berlin Art Week im neuen Museum zu sehen? Juliana Huxtable aus den USA und seit 2020 Wahlberlinerin, nennt ihre Schau. „- USSYPHILIA“ ist der Titel ihrer Videoinstallation. Die aktivistische Transkünstlerin machte schon in der New Yorker Kunstszene und insbesondere im Nachtleben von sich reden und blickt aus verschiedenen Perspektiven auf die großen Diskurse rund um Queerness, Identität und Gender.

Blick in die kleine Plaza mit dem neuen Fotografiska-Ort im neuen Stadtquartier des ehemaligen Tacheles

Blick in die kleine Plaza mit dem neuen Fotografiska-Ort im neuen Stadtquartier des ehemaligen TachelesJohn Macdougall/AFP

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Zudem sind zwei weitere Ausstellungen zu sehen: „Nude“ beleuchtet die ewige Faszination des nackten Körpers in der Fotografie. 30 Künstlerinnen aus 20 Ländern suchen in ihren Arbeiten das Gleichgewicht zwischen Akt-Idealen und individuellem Ausdruck. In mehr als 200 Werken geht es um den keineswegs perfekten, Schönheitsmaßen untergeordneten menschlichen Körper, um historische Zwänge, Freiheit und neue Normierungen.

Und nicht zuletzt setzt sich die in Berlin lebende Südafrikanerin Candice Breitz mit Fragen von Race, Repräsentation und performativer Identität auseinander. So zeigt sie in „Whiteface“ eine Archivcollage von gefundenen Fotofragmenten, die dokumentieren, wie weiße Menschen über Rassismus sprechen. In ihrem Archiv finden sich die Stimmen prominenter Persönlichkeiten aus Politik, Medien, Kultur, aber auch unbekannter YouTube-Bloggerinnen und -Blogger. Es sind Bild-Ton-Dokumente von Alltagsrassismus „guter Weißer“ bis hin zu NS-Ideologien und rechtsextremer Propaganda.

Fotografiska Berlin, Oranienburger Straße 54–64, Mitte, Eröffnung: 14. September, täglich 10–23 Uhr

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