Milliarden-Zusatzkosten: Wird das Deutschlandticket teurer?

Stand: 19.09.2023 10:11 Uhr

Die Finanzierung des Deutschlandtickets wird 2024 um mehr als eine Milliarde Euro teurer, schätzt der Verkehrsverband VDV. Dahinter stehen vor allem Einnahmeausfälle aus anderen Tickets. Woher das Geld kommen soll, ist offen.

Neue Kalkulationen der Verkehrsbranche gehen von erheblichen Mehrkosten für das Deutschlandticket im kommenden Jahr aus. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) prognostiziert für 2024 einen Zuschussbedarf von über einer Milliarde Euro mehr – also dann insgesamt 4,09 Milliarden. Das geht aus einem VDV-Papier hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Mindereinnahmen durch Umsteiger

Ein wesentlicher Grund des höheren Finanzierungsbedarfs ist aus Sicht der Verkehrsbetriebe die zunehmende Zahl von Fahrgästen, die von anderen Tickets auf das Pauschalticket im Nah- und Regionalverkehr umsteigen. Dem Verband zufolge führt dies dazu, dass die Einnahmen aus bisherigen Abos und dem Verkauf von Einzelfahrscheinen oder Monatskarten sinken. Die Folge seien bundesweit “spürbare Mindereinnahmen”.

Insgesamt befänden sich die Verkaufszahlen für das Deutschlandticket im “Hochlauf”. Der VDV geht für den Zeitpunkt ein Jahr nach der Einführung – also Ende April 2024 – von rund 13 Millionen regelmäßigen Nutzern aus. Die Option zur monatlichen Kündbarkeit werde intensiver als erwartet genutzt. Das nimmt den Verkehrsunternehmen Planungssicherheit.

Bund will nicht mehr zahlen

Die Zahlen dürften den Finanzstreit zwischen Bund und Ländern befeuern. Seit dem 1. Mai kann das Ticket für 49 Euro im Monat in ganz Deutschland als monatlich kündbares Abonnement digital erworben werden. Die damit verbundenen Verluste der Branche tragen Bund und Länder je zur Hälfte. Für 2023 bis 2025 sind dafür zunächst drei Milliarden Euro vorgesehen.

Auch etwaige Mehrkosten sollten in diesem Jahr zur Hälfte geteilt werden. Diese “Nachschusspflicht” aber ist von 2024 an offen – darum geht es im Streit zwischen Bund und Ländern. Bundesverkehrsminister Volker Wissing lehnt eine höhere Kostenbeteiligung des Bundes ab und verweist auf die Zuständigkeit der Länder für den Regionalverkehr.

Die Berechnungen des VDV ergeben für 2023 angesichts des verkürzten Geltungszeitraums von Mai bis Dezember einen Zuschussbedarf von rund 2,3 Milliarden Euro. Das zugesagte Geld von Bund und Ländern reicht also aus. Vom Zuschussbedarf von 4,09 Milliarden im kommenden Jahr sind aber erst drei Milliarden von Bund und Ländern fest zugesagt.

Preiserhöhung auf 59 Euro?

Als potenzielle Maßnahmen, um den höheren Zuschussbedarf zu verringern, nennt der Verband eine Erhöhung des Ticketpreises und die Gewinnung neuer Nutzer. Der Verband warnt auch vor einem Aus des Deutschlandtickets. Ohne eine “ausreichend dotierte haushalterische Vorsorge oder eine Nachschusspflicht” wäre es den Unternehmen nicht möglich, das Ticket weiter auszugeben und anzuerkennen.

Der VDV schätzt im vorliegenden Szenario eine Preiserhöhung des Deutschlandtickets auf 59 Euro im Monat ab. Daraus ergäben sich zwar geringere Verkaufszahlen, aber höhere Einnahmen. Je nach Zeitpunkt der Preiserhöhung würde sich der Zuschussbedarf von Bund und Ländern verringern. Allerdings sei das Ausmaß einer negativen Kundenreaktion auf die Preiserhöhung nicht gesichert abzuschätzen.

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